Lifestory: Hochzeit und Tiefpunkt

Es war das Highlight in unserem noch jungen Leben und ein unvergesslicher Tag, unser Hochzeitsfest! Dem Glück schien nichts im Weg stehen zu können. So schön unser Weg auch begann, folgte anschliessend bereits die erste harte Prüfung und die gemeinsame Zukunft drohte abrupt zu Ende zu gehen, bevor sie überhaupt wirklich begonnen hatte.
Von der Kirche..
Anfang Mai vor 21 Jahren stand unser Hochzeit vor der Tür, ein Tag der Freude! Die Vorfreude war etwas getrübt, denn meine zukünftige Braut hatte immer stärker werdende Schmerzen im Bein. An
unserer Hochzeit schenkte Sandra diesem Schmerz keine grosse Beachtung und nahm entsprechend Schmerzmittel. Schliesslich wollten wir unseren grossen Tag feierlich auskosten und durften dann auch einen sehr schönes und unvergessliches Fest mit Familien, Freunden etc. geniessen.
Zwei Tage nach der Hochzeit suchte meine Frau einen Arzt auf. Die
Diagnose war zuerst ein Magnesiummangel, der Arzt verschrieb ganz simpel Magnesium. Als sich die Situation laufend verschlechterte, weil das
Bein stark anschwoll und grosse Schmerzen die Folge waren, suchten wir
dann den Hausarzt erneut auf, welche uns in das regionale Spital einwies, um einen Ultraschall-Untersuchung zu machen.
...via Spitalaufenthalt...
Der Befund war nicht gut, denn es wurde ein Thrombose (Blutgerinnsel) im Bein diagnostiziert. Als Therapie wurde 1 Woche Blutverdünner und absolute Bettruhe im Spital verordnet. Das war also unser Start in die Ehe, welchen wir uns anders vorgestellt hatten. Naja, eine Woche war ja noch verkraftbar. Dass aber noch schwere Wochen vor uns standen, wäre für uns zu diesem Zeitpunkt kaum vorstellbar gewesen. Wir dachten nach dem Prinzip Hoffnung und hatten das Gefühl, dass kommt nach einer Woche Spital wieder gut.
Wiedervereint im neu eingerichteten Zuhause im schönen Heimisbach, verschlimmerte sich die Situation noch einmal. An Pfingsten wurde Sandra, nach einem Besuch beim Notfallarzt, erneut ins Spital nach Sumiswald eingewiesen. Weil das betroffene Bein schon verdächtig kalt und noch mehr angeschwollen
war, wurden die Sorgen nicht nur bei uns, sondern auch bei den Ärzten grösser. Nach einem CT und weiteren Untersuchungen, musste Sandra dann in die Angiologie/ Gefässchirurgie ins Inselspital nach
Bern verlegt werden, um weitere, spezifische Untersuchungen zu machen. Nach einen Tag Untersuchung, kam die niederschmetternde und äusserst gefährliche Diagnose:
..zur Schwelle des Todes
Als fatale Folge dieser Verschleppung der Thrombose im Bein, wurde eine
lebensbedrohende «tiefe Beckenvenenthrombose» diagnostiziert, ein Teil der Thrombose hatte sich gelöst und blieb in der Hohlvene kleben. Eine grosse und äusserst schwierige
Operation im Inselspital war die einzige Möglichkeit, das Leben von Sandra zu retten. Eine OP, welche nur mit Herz-Lungenmaschine
machbar war, mit ungewissen Ausgang, weil es sich um einen ausserordentlichen seltenen Fall zu handeln schien. Vor dem Eingriff, mussten zur genauen Lokalisation der Thrombosen, diverse Voruntersuchungen gemacht werden. Somit befand sich Sandra 3 Tage und 4 Nächte lang in höchst lebensbedrohender Situation.
Jede reflexartige oder zu schnelle Bewegung hätte tödliche Konsequenzen
zur Folge. Würde sich der «noch an einem Faden» hängende Vorderteil der
Thrombose lösen, wäre es umgehend zum Herzstillstand und Tod gekommen.
So musste die Bauchmuskulatur
zerschnitten, der ganze Bauchinhalt herausgenommen werden, um an die
Innenseite der Wirbelsäule zu kommen und die Thrombosen aus der Hauptvene herauszuoperiren. Die Ärzte und
Spezialisten hatten einen ausserordentlich guten Job gemacht. Alles lief
im Inselspital wie von Hand geführt und sehr professionell ab: Diagnose, Voruntersuchungen bis
zum Ende der Operation. Nach einer 9 stündigen Operation, stand eine lange Genesungs- und Erholungszeit bevor.
Jederzeit bereit gehen zu müssen
Die Tatsache, dass
Sandra überlebte, bezeichneten die Ärzte als 'medizinisch nicht erklärbar'. Die Länge der beiden herausoperierten Thrombosen
(Blutgerinnsel) waren mit 14 cm und 7 cm sehr gross. Der vorderste Teil
hing noch Richtung Herz an einem Faden und blieb erstaunlicherweise an
der breitesten Stelle der der Hohlvenenwand irgendwie kleben. Menschlich und medizinisch kann
das noch heute niemand erklären.
In einer solchen Situation hast du als Mensch nichts mehr zu bestellen, da lernt es dich, die Perspektive über dieses Leben hinaus zu legen und zu vertrauen. Viele Gebete von etlichen Menschen begleiteten uns, die Präsenz von Gott war während dieser sehr intensiven und enorm herausfordernden Zeit real spürbar. Sandra wurde getragen, versprühte viel Zuversicht und Vertrauen. Ich als begleitender, frisch verheirateter Mann, haderte und fragte mich immer wieder: War unser gemeinsamer Weg nach 3 Wochen bereits zu Ende und werde ich mit 27 Jahren schon Witwer? Das kann doch nicht sein...
Dass Sandra mit 26 Jahren und frisch verheiratet zu allem bereit war, hatte mit ihrem Glauben an Jesus zu tun. Dieser gab übernatürliche Kraft und Vertrauen, diese Bedrohung ohne Angst anzunehmen und so stieg auch ihre Chance. Denn Angst hätte im Körper fatale Auswirkungen auslösen können. Im Wissen, dass Gott selbst in Jesus auf diese Welt kam, den Tod besiegt hat, auferstanden ist und Sandra IHM das Leben mit einem bewussten Entscheid anvertraute, machte es überhaupt möglich, die Angst vor dem Tod zu überwinden und zu allem bereit zu sein.
Doch diese wahre Geschichte lernt uns einmal mehr: Wann du stirbst, weisst du nicht und liegt nicht in deiner Hand. Wir haben in unserem Wohlstand vergessen, diese Frage zu klären und verdrängen das Sterben bzw. was danach kommt. Diese Frage ist aber entscheidend und hat schon Einfluss auf dein Leben hier, denn Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen ist die Basis des wahren inneren Friedens.
Manfred
